Fragen:

    1. Welche Rohwasser-Nitratkonzentrationen wurden zuletzt an den einzelnen Messstellen auf Willicher Stadtgebiet festgestellt (mg/L; tabellarisch)?
    2. Welche längerfristigen Entwicklungstrends bzgl. der Rohwasser-Nitratkonzentrationen sind festzustellen?

 

    1. Wie ist die aus der Rohwasser-Nitratbelastung abgeleitete Funktionstüchtigkeit und Nutzungsdauer der derzeit aktiven Brunnen einzuschätzen?
    2. Welche Planungen existieren für den Bau und Betrieb neuer Brunnen für die Trinkwasserförderung (Örtlichkeiten, Tiefen)?
    3. Gibt es von Seiten des örtlichen Wasserversorgers Überlegungen, fossile Grundwasserleiter für den in 2.b. genannten Zweck zu nutzen?

 

    1. Wann werden die auf Willicher Stadtgebiet geplanten Trinkwasserschutzgebiete landesseitig endgültig festgesetzt?
    2. Wie schätzt die Verwaltung den Einfluss einer solchen Festsetzung auf die Rohwasserqualität und damit Trinkwassergewinnung ein?
    3. Welche Rolle spielen die kommunale Grenzen überschreitenden Grundwasserströme hinsichtlich deren Belastungen für die zukünftige Trinkwassergewinnung für Willich?
    4. Welche Planung seitens der Stadt Willich gibt es, langfristig (10, 20, 30 Jahre) die Trinkwasserversorgung qualitativ hochwertig sicherzustellen im Sinne einer nachhaltig nitratarmen, ökologischen und wirtschaftlichen Daseinsvorsorge und Schutzpflicht gegenüber zukünftigen Generationen.

Begründung:

„In den landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten im Norden und Westen von NRW ist die Nitratkonzentration seit über 20 Jahren gleichbleibend hoch oder steigend.“ (http://www.umwelt.nrw.de/umweltschutz-umweltwirtschaft/umwelt-und-wasser/grundwasser/grundwasserschutz/grundwasser-und-landwirtschaft/, 8.5.15) „Weshalb in Kreisen mit relativ wenig intensiver Tierhaltung kritische Grundwasserwerte gemessen werden, wie zum Beispiel in den Kreisen Viersen, Düren oder dem Rhein-Kreis-Neuss, muss noch ermittelt werden. Neben der Viehhaltung und Gülle-Importen aus den Niederlanden könnte die Hauptbelastung im hohen Einsatz von Mineraldünger im Acker- und insbesondere im Gemüsebau liegen.“ (http://www.umwelt.nrw.de/pressebereich/detail/news/2014-11-18-belastungen-des-grundwassers-mit-nitrat-seit-ueber-20-jahren-nicht-gesunken/, 8.5.15) Dem genannten Informationsdefizit geht diese Anfrage für das Gebiet der Stadt Willich nach.

Hydrologie:

Das immer tiefere Bohren bei Neuanlagen von Brunnen ist nicht nachhaltig. Es besteht die Gefahr, dass fossiles Grundwasser aufgebrochen wird, welches sich natürlich nicht erneuern kann. Die ökologische Tragfähigkeit der unterirdischen Speicher kann irreparabel strapaziert werden.

Gewinnung und Qualität (Landesüberwachung; Wasserrahmenrichtlinie; Trinkwasserverordnung u.a. Rechtsvorschriften):

Der aktuelle Grenzwert für NO3 in Trinkwasser liegt laut der deutschen Trinkwasserverordnung bei 50 mg/L, nach der schweizerischen Gewässerschutzverordnung, zum Vergleich, bei 25 mg/L. Wässer, die diesen Grenzwert überschreiten, werden von Wasserversorgern oft mit nitratärmerem Wasser vermischt, um den Grenzwert einzuhalten. So auch in Willich durch Verbindung der Brunnen bzw. Wasseraufbereitungsstandorte Fellerhöfe, Darderhöf, St. Tönis und Osterath. „In Nordrhein-Westfalen sind derzeit (2. Monitoringzyklus 2007-2012) ca. 40 % der Grundwasserkörper (Flächensumme) in einem chemisch schlechten Zustand wegen zu hoher Nitratbelastungen. Darüber hinaus zeigen aktuell 30 von insgesamt 275 Grundwasserkörpern ab Inkrafttreten der Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 (Betrachtungszeitraum 2000-2013) einen im Sinne der Grundwasserverordnung maßnahmenrelevanten, steigenden Trend der Nitratkonzentration. Die geforderte Trendumkehr konnte bezüglich der bisherigen Belastungssituation noch nicht erzielt werden.“ (S. 7) „In Gebieten mit Ackernutzung erreichen die aktuellen Nitratkonzentrationen im oberflächennahen Grundwasser Spitzenwerte bis über 300 mg/L. Grundwassermessstellen unter Ackerland-Einfluss mit einer Nitratkonzentration >180 mg/L finden sich in den Landkreisen Kleve, Neuss, Viersen, Wesel, Düren, Heinsberg, Rhein-Sieg-Kreis, Coesfeld, Steinfurt, Bielefeld, Gütersloh, Minden-Lübecke, Paderborn. Die derzeitige Überschreitungshäufigkeit (2008/2011) der landwirtschaftlich beeinflussten konsistenten Messstellen liegt in einzelnen Landkreisen bei über 50% (Landkreise Kleve, Viersen, Düren) […].“ (S. 8) „Zur Erreichung der Ziele der Wasserrahmenrichtlinie und Nitratrichtlinie besteht in den angesprochenen Gebieten, deren Grundwasserkörper aufgrund der Nitratbelastung in einem schlechtem chemischen Zustand sind oder einen steigenden Trend aufweisen, noch erheblicher Handlungsbedarf. Dies gilt insbesondere dort, wo das Belastungsniveau derzeit noch sehr deutlich über der Qualitätsnorm liegt oder wo seit Inkrafttreten der EG-Wasserrahmenrichtlinie steigende Trends zu verzeichnen sind. Defizite bestehen aus Sicht des LANUV im Bereich der rechtlichen Anforderungen bzw. der Umsetzung und Überwachung der bestehenden Anforderungen.“ (S. 8) (Nitrat im Grundwasser, Situation 2010 bis 2013 und Entwicklung 1992 bis 2011 in Nordrhein-Westfalen, LANUV-Fachbericht 55)

(Abbildung: http://www.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/fachberichte/fabe55/fabe55_Anlage%201.pdf, S. 97)

(Anlage  1  zum o.g. Bericht,  S.  97)
„Die  16  konsistenten  Rohwassermessstellen  sind  auf  fünf  Brunnengalerien  verteilt.  Die  sechs  aktuellen  Messstellen mit  einem  Mittelwert  >  50  mg/L beschränken  sich  auf  nur  zwei  dieser fünf  Standorte,  wobei  diese  beiden  Messstellen  über  den Gesamtzeitraum  ansteigende  Nitratkonzentrationen anzeigen  (Abbildung  3.8.3-2).“  (S.  106)  Einer  dieser  Brunnen  ist  der  Standort  Fellerhöfe  in  Willich.
Wirtschaftlichkeit:
Die  hohe  Belastung  des  Grundwassers  mit  Nitrat  führt  stellenweise  dazu,  dass  beispielsweise,  wie in  der  Gemeinde  Brüggen, auf  Kosten  der  Allgemeinheit  für zumindest  mittlere  sechsstellige  Beträge  neue  Tiefbrunnen  anzulegen