Künstliche Intelligenz und Arbeitsmarkt: Was bedeutet das für junge Menschen?
Künstliche Intelligenz verändert schon heute viele Bereiche der Arbeit. Besonders junge Menschen spüren diese Entwicklung, wenn sie jetzt in Ausbildung, Studium oder Beruf starten. Denn viele einfache Einstiegsaufgaben, mit denen man früher Erfahrung gesammelt hat, werden zunehmend von KI-Systemen übernommen.
Warum ich die Parteien gefragt haben
Deshalb haben ich mehrere Parteien gefragt, wie sie die Folgen von KI für Arbeit und Gesellschaft einschätzen. Uns interessierte außerdem, welche politischen Antworten sie darauf geben. Im Mittelpunkt stand dabei eine zentrale Frage: Wie können junge Menschen auch in Zukunft gut und fair in den Arbeitsmarkt einsteigen?
„`- Welche Folgen erwarten die Parteien durch KI für den Arbeitsmarkt in Deutschland in den nächsten 10 bis 20 Jahren?
- Welche politischen Maßnahmen halten sie für nötig, damit Beschäftigte auf diese Veränderungen vorbereitet werden?
- Welche Chancen und Risiken sehen sie für die Gesellschaft über den Arbeitsmarkt hinaus?
- Welche konkreten Schritte halten sie für wichtig, damit Politik die Folgen von KI aktiv gestaltet?
Was die Antworten zeigen
Die Antworten zeigen: Das Thema KI ist in der Politik angekommen. Allerdings unterscheiden sich die Rückmeldungen deutlich. Einige Parteien gingen direkt auf Arbeit, Bildung, Weiterbildung und gesellschaftliche Risiken ein. Andere verwiesen vor allem auf bestehende Programme oder erklärten, dass es noch keine fertige Position gibt.
Von der Partei Die Linke lag zum Zeitpunkt der Auswertung keine Antwort vor.
Antworten der Parteien im Wortlaut
„`CDU/CSU
Sehr geehrter Herr Rombach,
vielen Dank für Ihr Schreiben an uns vom 15. März und Ihre Anfrage. Bitte entschuldigen Sie die späte Rückmeldung – wir erhalten in letzter Zeit sehr viele Zuschriften.
Künstliche Intelligenz verändert schon heute, wie wir arbeiten, forschen und verwalten. Damit Deutschland dabei nicht nur mithält, sondern vorne mitspielt, bringen wir KI gezielt aus der Forschung in den Alltag. Die CDU-geführte Bundesregierung investiert in gut ausgebildete Fachkräfte, baut leistungsfähige Rechenzentren auf und fördert mittelständische Unternehmen. So entstehen praktische Lösungen für Industrie, Medizin und Verwaltung. Dadurch wird Deutschland zum Treiber kluger Technologien mit greifbarem Nutzen. Schauen Sie dazu gern direkt auf die Seite des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt, wenn Sie mögen: Hier klicken!
Zur Frage, ob Politik die von Ihnen dargestellte Entwicklung ausreichend begleitet und den entsprechenden Rahmen schafft, gibt es auch einen sehr interessanten Podcast von Carsten Linnemann: Künstliche Intelligenz – Was kommt auf uns zu? Auch hier lohnt sich ein Blick hinein.
Herzliche Grüße aus dem Konrad-Adenauer-Haus
Paula Bonin
AfD
Sehr geehrter Herr Rombach,
vielen Dank für Ihre Nachricht an die AfD.
In den vergangenen Jahren haben wir eine Reihe von Erfolgen verzeichnen können, nicht nur bei Wahlen, sondern auch in der Politik vor Ort. Die AfD wirkt. Unsere Partei lebt von der Unterstützung durch die Bürger.
KI ist für die AfD ein durchaus interessantes Feld. Es bietet eine Menge an Möglichkeiten, aber hat auch Fallhöhen.
Wir haben bereits früh kritisiert, dass diese Innovationen wieder einmal aus den USA kommen und Deutschland als rohstoffarmes Land, angewiesen auf geistiges Eigentum, keine Rolle auf diesem Feld spielt. (vgl. Pressemitteilung https://afdbundestag.de/barbara-lenk-deutschland-muss-mehr-in-kuenstliche-intelligenz-investieren/)
Im Programm für die Bundestagswahl 2025 haben wir folgendes festgehalten:
„KI-Systeme stellen einen großen Wachstumsmarkt dar; von diesen können und wollen wir uns in Deutschland nicht abkoppeln. Deshalb sind effektive gesetzliche Rahmenbedingungen notwendig, die den Einsatz zum Beispiel in Medizintechnik und Verkehrswesen ermöglichen. Voraussetzung für den Einsatz von KI ist jederzeit verfügbare kostengünstige Energie.
Gleichzeitig kann KI aber auch ein Risiko speziell für Kritische Infrastruktur, Verkehrstechnik und bürgerliche Freiheiten darstellen. Die zentralistische Regulierung dieser Themen durch die EU, wie durch den Cybersecurity Act, Ethik-Leitlinien für KI und den Artificial Intelligence Act, lehnt die AfD ab und fordert praxisnahe, nationale Lösungen.“
Die Bundestagsfraktion der AfD hatte sich auch bereits seit Jahren mit dem Thema beschäftigt. In zwei Handzetteln von 2020 und 2024 haben die jeweiligen Mitglieder des dem Ausschuss zugehörigen Arbeitskreises „Digitales“ ihre jeweiligen Positionen zusammengefasst, die sich auch mit der KI auseinandersetzen.
(vgl. Positionspapier Digitale Agenda 2020 + Der AK Digitales stellt sich vor)
Die Mitglieder des aktuellen Arbeitskreises (https://afdbundestag.de/arbeitskreise/digitale-agenda/) haben bislang noch kein solches Druckerzeugnis erstellt. Aber der auch bereits frühere Berichterstatter für KI, Edgar Naujok, ist weiterhin in diesem Gremium vertreten. Bei speziellen Nachfragen, würden wir Ihnen empfehlen sich an dessen Bundestagsbüro zu wenden.
Die frühere Obfrau der AfD im Digitalausschuss, Frau Barbara Benkstein, hatte sich häufig mit dem Thema KI auseinandergesetzt. Am 26.11.24 mahnte Sie an, dass Deutschland endlich eine eigene KI-Strategie entwickeln muss:
„Die Wirtschaft geht bereits voran und setzt immer stärker auf KI, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Politik und Verwaltung dürfen diese Entwicklung nicht verschlafen. Gefragt sind aus Sicht der AfD-Fraktion Weitsicht und Verantwortung. Damit wird es gelingen, notwendige Modernisierungen voranzubringen und Risiken auszuschließen.
Vorrangige Ziele müssen der Abbau von Bürokratie und die Beschleunigung von Verwaltungs-Prozessen sein. Das ist bürger- sowie wirtschaftsfreundlich und bringt unser Land voran.
Hierbei hat die Ampel versagt. Viel Papier – keine Ergebnisse. Darum muss die nächste Bundesregierung endlich eine neue KI-Strategie vorlegen und auch umsetzen.“
Als Reaktion auf den Digital-Gipfel 2024 der Bundesregierung stellte Sie dann Anfang Dezember 2024 einige Fragen an diese (https://dserver.bundestag.de/btd/20/141/2014109.pdf). Auf die Antwort, welche am 23.12.24 kam, formulierte Sie folgende Pressemitteilung:
„Viel zu lange hat sich das Land auf anerkannten Forschungsleistungen deutscher Wissenschaftler ausgeruht. Dabei wurde die Umsetzung der Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte sträflich vernachlässigt. Es fehlen schlicht innovative Start-ups.
Darum braucht Deutschland dringend eine marktnahe Förderung Künstlicher Intelligenz. Hierfür muss eine zentrale Stelle in der Bundesregierung geschaffen werden: Um finanzielle Förderungen zu koordinieren. Und als verlässlicher Ansprechpartner für Wirtschaft, Wissenschaft und Verbraucher. Darum schreibe ich ins Pflichtenheft der nächsten Bundesregierung: Statt Kleinklein in den Einzeletats braucht Deutschland endlich ein eigenständiges KI-Budget im Bundeshaushalt. So wie es die AfD-Fraktion schon lange fordert.“
Unter https://afdbundestag.de/presse/ können Sie sich aus der Fülle der bisherigen Wortmeldungen der verschiedenen Abgeordneten zum Themenkomplex noch weitere wertvolle Informationen heraussuchen.
Bei Interesse an aktuellen Pressemitteilungen im Allgemeinen schauen Sie gern unter https://www.afd.de/meldungen-bundesverband/ vorbei. Unter https://spenden.afd.de/ finden Sie Informationen wie Sie uns mit einer Spende unterstützen können.
Bitte bleiben Sie uns gewogen. Wir wünschen Ihnen alles Gute und noch eine angenehme Woche.
Mit freundlichen Grüßen
SPD
Sehr geehrter Herr Rombach,
vielen Dank für Ihre E-Mail, die uns am 15. März 2026 erreicht hat.
Unser Anspruch ist, Veränderungen in gesellschaftlichen Fortschritt zu verwandeln. Die Herausforderungen sind groß. Was wir tun, tun wir im Respekt vor den Menschen.
Alle wesentlichen Informationen zu aktuellen Beschlüssen und Positionen finden sich auf www.spd.de. Außerdem ist das Beschlussbuch des vergangenen Parteitags einschlägig, dieses finden Sie hier: Beschlussbuch oBPT 2025
Grundlegende Fragen zum Umgang mit KI werden auch Gegenstand des SPD-Grundsatzprogrammprozesses sein.
Uns geht es um ein besseres Leben – nicht für wenige, sondern für alle. Darum kümmern wir uns seit über 160 Jahren. Und dafür arbeiten wir heute. Mit Mut und Ideen für morgen. Denn wir wissen: Fortschritt braucht Gerechtigkeit!
Unsere Positionen zu vielen aktuellen Themen und weitere Informationen finden sich auf SPD.DE. Und wir informieren regelmäßig per E-Mail darüber, wie wir unsere Gesellschaft voranbringen wollen. Nichts mehr verpassen und hier direkt anmelden. Wir haben auch einen Whatsapp-Kanal.
Mit freundlichen Grüßen aus dem Willy-Brandt-Haus
Bündnis 90/Die Grünen
Lieber Frank,
vielen Dank für die E-Mail und das Vertrauen, dass Du uns entgegenbringst.
Zur Frage der Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt teilen wir deine Einschätzung, dass KI-Modelle zu einem Rückgang konventioneller Arbeitsplätze und veränderten Qualifikationsanforderungen führen können.
Gleichzeitig sehen wir GRÜNE darin auch die Chance, zukunftsfeste Arbeitsplätze zu schaffen, wenn wir die Entwicklung und Produktion digitaler Infrastruktur in Europa vorantreiben. Wir setzen uns dabei ausdrücklich für starke Rechte von Arbeitnehmer*innen im digitalen Zeitalter ein – dazu gehören der Schutz vor Überwachungssoftware am Arbeitsplatz, mehr Mitsprache bei der Einführung von KI und die Bekämpfung von Ausbeutung in der Gig Economy.
Was Bildung, Weiterbildung und Qualifizierung betrifft, sehen wir diese als zentrale Voraussetzung für eine gerechte KI-Transformation. Wir wollen digitale Kompetenz, Medienkompetenz und den verantwortungsvollen Einsatz von KI bereits in Schulen verankern und fördern KI-Anwendungen im Bildungsbereich so, dass Lehrende und Lernende diese Möglichkeiten selbstbestimmt nutzen können. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass digitale Souveränität auch in Schulen und Hochschulen gewährleistet ist, damit Bildungseinrichtungen nicht von geschlossenen Systemen außereuropäischer Konzerne abhängig werden.
Zu den gesellschaftlichen Chancen und Risiken jenseits des Arbeitsmarkts haben wir GRÜNE klare Positionen: KI-gestützte Desinformation stellt eine ernste Gefahr für die Demokratie dar. Wir setzen uns deshalb für eine klare Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten, die konsequente Umsetzung des Digital Services Act und die Gründung einer Europäischen Zentrale für politische Bildung ein. Gleichzeitig warnen wir vor zunehmenden digitalen Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern, die längst systemrelevant geworden sind. Um Machtkonzentration entgegenzuwirken, brauchen wir eine starke europäische Digitalpolitik mit einer zügigen und einheitlichen Umsetzung bestehender Regelwerke wie dem AI Act.
Zu deiner vierten Frage, ob KI stärker als eigenständiges gesellschaftspolitisches Thema behandelt werden sollte: Wir teilen deine Wahrnehmung, dass die bisherige programmatische Einbettung vor allem in industrie- und klimapolitische Kontexte der Dynamik und Breite des Themas nicht vollständig gerecht wird. Die GRÜNEN arbeiten kontinuierlich daran, KI als eigenständiges Querschnittsthema zu verankern – von Demokratieschutz über soziale Gerechtigkeit bis hin zu Urheberrecht und kultureller Teilhabe. Dein Hinweis, dass gerade jüngere Wähler*innen hier stärkere politische Positionierung erwarten, ist wertvoll und bestärkt uns, diesen Weg konsequent weiterzugehen.
Ich hoffe, ich konnte Dein Anliegen zufriedenstellend beantworten.
Mit freundlichen Grüßen
Alex Sommerfeldt
Die Linke
Zum Zeitpunkt der Auswertung lag keine Antwort vor.
FDP
Sehr geehrter Herr Rombach,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Interesse an unseren Positionen.
Leider ist es aufgrund unserer Ressourcenknappheit nicht möglich, Ihre Fragen zu beantworten. Zu dem Thema finden Sie dennoch unter den folgenden Links unsere Positionen:
https://www.fdp.de/sprengen-wir-die-regulierungsfesseln
https://www.fdp.de/pressemitteilung/buettner-deutschland-und-europa-muessen-bei-der-regulierung-von-kuenstlicherMit freundlichen Grüßen
Ihr Team der FDP-Bundesgeschäftsstelle
Freie Demokratische Partei
Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)
Sehr geehrter Herr Rombach,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Interesse am Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit (BSW).
Ihre Frage zur KI und ihre Auswirkung auf unsere Gesellschaft und insbesondere den Arbeitsmarkt der Zukunft finden wir sehr interessant. Allerdings müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir als nach wie vor junge Partei hierzu noch keine politische Position ausformuliert haben. In Zukunft wird das BSW ein Grundsatzprogramm erarbeiten und sich ggf. auch zu diesem Thema positionieren.
Wenn Sie über die weiteren Schritte des BSW informiert bleiben wollen, würden wir uns freuen, wenn Sie sich dazu in unseren Verteiler eintragen: https://bsw-vg.de/newsletter/
Mit freundlichen Grüßen
Team Helpdesk
Fazit
KI ist mehr als ein Technikthema. Sie betrifft Bildung, Arbeit, soziale Sicherheit, faire Chancen und Demokratie. Deshalb reicht es nicht, nur über neue Programme oder mehr Rechenleistung zu sprechen.
Besonders wichtig ist der Blick auf junge Menschen. Denn wenn einfache Einstiegsaufgaben wegfallen, müssen neue Wege in Ausbildung und Beruf entstehen. Dazu gehören gute Begleitung, Mentoring, Weiterbildung und klare Regeln für den Einsatz von KI am Arbeitsplatz.
Wir möchten diese Fragen vor Ort weiter diskutieren. Wie verändert KI bereits heute Ausbildung, Studium oder Beruf? Wo entstehen Chancen? Wo gibt es Unsicherheit, Druck oder fehlende Perspektiven? Und was erwarten junge Menschen, Beschäftigte, Unternehmen und Bildungseinrichtungen von Politik und Gesellschaft?