Licht als Umweltverschmutzung DIE GRÜNEN Willich stellen Anfrage an den Rat

Als einer der Gründe für das Insektensterben wird die jährliche Zunahme der bundesweiten Lichtverschmutzung um 2% identifiziert. Grundlage hierfür ist insbesondere eine Studie des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB).

Auch die Bundesregierung hat hierauf reagiert. Im Eckpunktepapier zum Aktionsprogramm »Insektenschutz der Bundesregierung« wird neben anderen Faktoren auch die Lichtverschmutzung genannt. Laut diesem Eckpunktepapier werden, Zitat: »Nachtaktive Insekten […] von künstlichen Lichtquellen angelockt, verenden an der Lichtquelle oder werden dort Opfer von Fressfeinden. Ein solches Verhalten der Insekten an Lichtquellen – beginnend als magische Anlockung und endend mit dem Tod der Tiere – wird als Staubsaugereffekt bezeichnet«. Zitat Ende.

Milliarden von Insekten verlassen durch den Staubsaugereffekt ihren eigentlichen Lebensraum und können in Folge vor lauter Erschöpfung nicht mehr der Nahrungs- und Partnersuche nachgehen. 150 Milliarden Insekten pro Jahr sterben so allein in Deutschland. Ohne sie können Vögel und Kleintiere nicht überleben. Neben dem Wind sind die Insekten die wichtigsten Pollenüberträger in Natur und Landwirtschaft.

Deshalb soll das »Aktionsprogramm Insektenschutz« dazu beitragen, dass die Lichtverschmutzung insgesamt reduziert wird und eine Umstellung auf insektenfreundliche Lichtquellen erfolgt. Der Bund wird dabei eine Vorbildfunktion einnehmen.

»In diesem Sinne gehen wir davon aus, dass auch die Stadt Willich eine Vorbildfunktion einnehmen wird. Deshalb bitten wir den Rat um Antworten auf einen eingereichten Fragenkatalog«, sagt Eib Eibelshäuser, Vorstandsmitglied der GRÜNEN in Willich und ausgewiesener Lichtexperte.

Paul Muschiol, Mitglied der GRÜNEN, erläutert dabei die wesentlichen Punkte. So sollten alle städtischen Gebäude optimal zur Reduzierung der nächtlichen Lichtemission aufgestellt sein. Dabei ist eine planerische Herangehensweise an städtisches Licht notwendig. Zum Beispiel mit Zeitschaltuhren, die in unsensiblen Bereichen die Beleuchtung ab 23 Uhr herunterdimmt oder abschaltet. Ferner kann die Beleuchtung über Bewegungsmelder individuell gesteuert werden.

Ein weiterer, sehr entscheidender Aspekt, erklärt Muschiol, ist die Reduzierung der Farbtemperatur aller städtischen Lichtquellen auf unter 2.700 Kelvin. Dieses »warme« Licht hat sehr viel weniger Anziehungskraft, als das momentan oft verwendete »kalte«, tageslichtähnliches, blaue Licht mit weit mehr als 3.000 Kelvin.

Eibelshäuser führt noch die im Stadtgebiet stellenweise viel zu helle Beleuchtung an. Durch eine hohe Helligkeit oder falsche Platzierung der Lichtquelle, entsteht entgegen landläufiger Meinung, nicht mehr Sicherheit, sondern nur eine höhere Blendwirkung. Dadurch erscheinen dem Menschen dunkle Stellen noch dunkler. Dieser Wirkung kann durch einfachen Einsatz von Abschattern begegnet werden und führt zu einer ausgewogeneren Helligkeit.

Die GRÜNEN in Willich fragen sich auch, inwieweit Mieter und Pächter von öffentlichen Gebäuden auf die Einhaltung der obigen Parameter verpflichtet werden. Auch die Firmen auf Willicher Gebiet müssen über den Zusammenhang zwischen Lichtemission und Insektensterben hingewiesen und informiert werden. Die Willicher GRÜNEN fragen sich: gibt es hierfür für die Firmen eine Unterstützung der Stadt Willich?

Eib Eibelshäuser schlägt sogenannte »Quartiersbegehungen« mit den Willicher Bürgerinnen und Bürger vor, um über den Zusammenhang zwischen Lichtemission und Insektensterben aufzuklären. Nicht nur im Bezug auf die städtische Beleuchtung, sondern auch hinsichtlich der Haus- und Gartenbeleuchtung.

Für die GRÜNEN wäre auch interessant zu wissen, welche kurzfristigen Maßnahmen seitens der Stadt eingeleitet werden, um die Farbtemperatur der allgemeinen Beleuchtung auf 2700 Kelvin zu reduzieren. Auch auf die Frage der »Lichtemission und Licht-Grenzwerte« bei öffentlichen Ausschreibungen werden Antworten erwartet.

Anfrage

Als einer der Gründe für das Insektensterben wird die Lichtverschmutzung genannt. Grundlage ist insbesondere eine Studie des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Auch die Bundesregierung hat hierauf reagiert. Im Eckpunktepapier zum Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung wird neben anderen Faktoren auch die Lichtverschmutzung genannt. Laut diesem Eckpunktepapier werden „Nachtaktive Insekten … von künstlichen Lichtquellen angelockt, verenden an der Lichtquelle oder werden dort Opfer von Fressfeinden. Ein solches Verhalten der Insekten an Lichtquellen – beginnend als magische Anlockung und endend mit dem Tod der Tiere – wird als „Staubsaugereffekt“ bezeichnet. Milliarden von Insekten verlassen durch den Staubsaugereffekt ihren eigentlichen Lebensraum und können auch vor lauter Erschöpfung nicht mehr der Nahrungs- und Partnersuche nachgehen. 150 Milliarden Insekten pro Jahr sterben allein in Deutschland. Ohne sie können Vögel und Kleintiere nicht überleben. Neben dem Wind sind Insekten die wichtigsten Pollenüberträger in Natur und Landwirtschaft. Deshalb soll das Aktionsprogramm Insektenschutz dazu beitragen, dass die Lichtverschmutzung insgesamt reduziert wird und eine Umstellung auf insektenfreundliche Lichtquellen erfolgt. … Der Bund wird dabei eine Vorbildfunktion einnehmen.“
In diesem Sinne gehen wir davon aus, dass auch die Stadt Willich eine Vorbildfunktion einnehmen will.

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet daher um Beantwortung folgender Fragen:

1) Sind alle städtischen Gebäude optimal zur Reduzierung der nächtlichen
Lichtemission aufgestellt?

2) In wie weit werden die Mieter / Pächter von öffentlichen Gebäuden auf die Einhaltung der obigen Parameter verpflichtet?

3) In wie weit werden die Firmen auf Willicher Gebiet auf den Zusammenhang zwischen Lichtemission und Insektensterben hingewiesen und informiert? Wie unterstützt die Stadt Willich die Firmen bei einer etwaigen Umrüstung?

4) In wie weit werden die Willicher Bürgerinnen und Bürger auf den Zusammenhang zwischen Lichtemission und Insektensterben hingewiesen? Zum Beispiel im Bereich Haus- und Gartenbeleuchtung

5) Welche kurzfristigen Maßnahmen werden seitens der Stadt eingeleitet, um die Farbtemperatur des Lichtes (auf unter 2700 Kelvin) zu reduzieren?

6) Wie wird das Thema „Lichtemission / Licht-Grenzwerte“ bei öffentlichen Ausschreibungen berücksichtigt?