Landwirtschaftliche Nutzflächen

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Rat der Stadt Willich beantragt zur Beschlussfassung in die Tagesordnung der Sitzung des Umweltausschusses aufzunehmen:

1. Landwirtschaftliche Nutzflächen im Eigentum der Stadt Willich, sowie Gesellschaften mit mehrheitsbefähigung der
Stadt werden bei Neuverpachtung vorrangig an Betriebe verpachtet, die sich verpflichten, mit der Bewirtschaftung
einen Mehrwert für Natur und Artenvielfalt zu erzeugen. Dies kann zum Beispiel durch die Bewirtschaftungsvorgaben
des Ökologischen Landbaus geschehen. Zumindestens ist eine Bewirtschaftung ohne Total Herbizide (wie Glyphosat)
und/oder Insektizide (wie Neonikotinoide) vorzusehen. Für Landwirte in bestehenden Verträgen, die vor Ende des
Pachtvertrages freiwillig vorzeitig auf ökologische Bewirtschaftungskriterien umstellen wollen, entfällt die Pacht
für die entsprechende Fläche für die Restdauer des Pachtvertrags (zusätzlich zur Inanspruchnahme weiterer EU-,
Bundes- oder Landesförderung).
2. Eine solche naturfreundlichere Ausrichtung der Bewirtschaftung und der Verzicht auf Maximalerträge werden seitens
der Stadt/Gemeinde honoriert, indem ein entsprechender Abschlag (z. B. 1/3) vom ortsüblichen Pachtzins vorgenommen
wird.
3. Die Verwaltung wird beauftragt, für die genannten Vorgaben einen Musterpachtvertrag sowie ein Bewertungssystem für
Neuverpachtungen zu entwickeln.
4. Darüber hinaus soll die Anlage von ausreichend breiten Blühstreifen vereinbart werden.
5. Die Verwaltung kommuniziert die Änderung der Bewirtschaftungsvorgaben schnellstmöglich an die betroffenen
Landwirte.

Begründung:

Pestizide werden eingesetzt, um Flächen von unerwünschten Kräutern und Gräsern frei zu halten oder um gegen Insekten vorzugehen. Einige der Mittel stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, die Fortpflanzung zu schädigen oder hormonelle Wirkung zu haben.

Für viele Tier- und Pflanzenarten sind Pestizide ein Verhängnis. Denn nicht nur unerwünschte Wildkräuter und Insekten werden beseitigt, sondern auch Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlinge und Fledermäuse. Entweder töten und schädigen Pestizide Insekten oder Wildkräuter direkt oder sie dezimieren ihren Lebensraum und ihre Nahrung. Von den fast 600 Wildbienenarten in Deutschland steht rund die Hälfte auf der Roten Liste. Dabei sind blütenbesuchende Insekten unentbehrlich für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Sie erhalten die Pflanzenvielfalt und sichern landwirtschaftliche Erträge und damit unsere Ernährung.

Weltweit und auch in Deutschland erleben wir einen zunehmenden Verlust der Artenvielfalt. Grund dafür ist vor allem die intensive Landwirtschaft. Dort dominieren meist Monokulturen, die intensiv mit Pestiziden gespritzt werden. Blühflächen, als Rückzugsgebiete und Nahrung für viele Insekten, Vögel und Säugetiere fehlen oft komplett. Über 40.000 Tonnen Pestizide belasten jährlich in Deutschland die Umwelt. Tendenz steigend.
Blühstreifen am Ackerrand stellen Rückzugsräume und Vernetzungsbiotope dar, sie gilt es zu sichern und zu erhalten.

Inzwischen sind Siedlungsgebiete oft Rückzugsorte für Arten, die in der Agrarlandschaft keinen Lebensraum mehr finden. Die Kommune trägt eine wichtige Verantwortung in ihrer Art der Bepflanzung, des Grünflächenmanagements und Verpachtung von landwirtschaftlichen Flächen.
Die Flächen in unserer Gegend sind immer mehr durch Nitrat belastet.