GRÜNER BLICK – Ausgabe 5


Infoschrift der Willicher GRÜNEN
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Ökostrom – Aber richtig

Paul
Paul
CO2-Ausstoß in Deutschland

Der CO2-Ausstoß in Deutschland ist im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr um 4 Mio. Tonnen gestiegen statt gesunken. Datenquelle: Umweltbundesamt

Sollten Sie ein Ökostrom-Kunde sein, so gehören Sie zu ca. 22 Prozent der Haushalte in Deutschland, welche Ökostrom beziehen; Tendenz steigend. Insgesamt existieren laut dem Bundesumweltamt 810 Ökostrom-Lieferanten mit mehr als 3.800 unterschiedlichen Tarifen. Die Komplexität der Anbieter erinnert teilweise an den Tarifdschungel in der Telekommunikationsbranche.

Beziehen Sie Ökostrom? Ja? Sehr gut. Falls nicht, können Sie trotzdem gerne weiterlesen. Nach dem Bundesumweltamt ist der wichtigste Grund für die Bezieher von Ökostrom und vielleicht auch für Sie, dass „mit meinem Geld regenerative Energien gefördert werden“, gefolgt von „einen eigenen Beitrag zum Umweltschutz leisten“ und „ich habe durch den Wechsel ein gutes Gewissen“.
Aber einige Ökostromanbieter betreiben das sogenannte „Greenwashing“. Hintergrund ist die Entkopplung der Energieerzeugung vom Stromverkauf über sogenannte Herkunftsnachweise (HKN). Laut Umweltbundsamt kann dadurch nicht verhindert werden, dass Elektrizitätsversorger rechtlich legal behaupten können, Ökostrom an ihre Kunden zu liefern, auch wenn der überwiegende Teil aus Atomkraft- oder Kohlekraftwerken stammt. Mit Hilfe von HKN kann dieser Strom dann als „Grünstrom“ deklariert werden.

Strommix in Deutschland 2016

Der Anteil dreckigen Kohlestroms in Deutschland bleibt seit fast 20 Jahren annähernd gleich und ist verantwortlich für den hohen CO2-Ausstoß Deutschlands.
Datenquelle: AGEB e.V.; strom-report.de

Was sind Herkunftsnachweise?
In Deutschland gilt die sogenannte „verpflichtende Stromkennzeichnung“. Diese verlangt für Ökostromprodukte den Nachweis, dass der ausgelieferte Strom tatsächlich aus Erneuerbaren Energien stammt. Diesen Nachweis müssen Ökostromanbieter über Herkunftsnachweise erbringen. Diese Nachweise können europaweit gehandelt werden; unabhängig vom eigentlichen Handel mit Strom. Sie werden aber nur für Strom aus Erneuerbaren Energien ausgestellt, der ohne gesetzliche Förderung erzeugt wurde. Strom aus deutschen Wind-, Solar- oder Biomasseanlagen, für den die Betreiber eine Einspeisevergütung nach Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten, bekommt schon eine Förderung und daher keinen Herkunftsnachweis.
Deshalb finden sich auf dem Markt fast ausschließlich Herkunftsnachweise von Wasserkraftwerken aus Skandinavien oder sehr alten Wasserkraftwerken in Deutschland und Österreich. Dieser Strom wird so günstig produziert, dass er aber auch ohne Förderung im freien Strommarkt bestehen kann. Besonders günstig sind HKN aus Skandinavien, weil dort Strom aus Wasserkraft im Überfluss vorhanden ist. Die Preise der HKN liegen aktuell unter 0,20 Cent / kWh. Herkunftsnachweise sind somit kein aussagekräftiges Qualitätslabel. Ihnen fehlt sogar nachweislich eine fördernde Wirkung auf die Energiewende. Sie belegen lediglich die Herkunft des Stromes, nicht aber beispielsweise einen besonderen ökologischen Nutzen, die Unabhängigkeit des Anbieters oder Ähnliches.

Ist es somit sinnlos, Ökostrom zu beziehen?
Nein. Zwar wird man als Ökostrom-Kunde derzeit häufig Opfer des beschriebenen Etikettenschwindels. Dennoch steigt durch die Ökostromkunden natürlich die Nachfrage nach grüner Energie. Das Problem ist, dass in Europa derzeit ein Überangebot an Ökostrom besteht – zum Beispiel durch das große Wasserkraft-Angebot in Norwegen. Steigt die Nachfrage der Privathaushalte aber weiter, müssen irgendwann zusätzliche Ökokraftwerke gebaut werden. Dann wird die Stromproduktion unter dem Strich tatsächlich grüner.
Über die Qualität eines Ökostromproduktes entscheidet somit insbesondere, welche Veränderung ausgelöst wird. Treibt Ihr Strombezug direkt den Ausbau der Erneuerbaren Energien voran? Liefert Ihr Anbieter Ideen und Konzepte für die vollständige, ungeförderte Marktintegration der Erneuerbaren Energien? Ist Ihr Anbieter unabhängig von der Atom- und Kohleindustrie und hat er ein glaubwürdiges Interesse, die Energiewende voranzubringen? Wer als Verbraucher den Ökostrom-Ausbau fördern will, hat im Moment nur eine Möglichkeit: Er muss einen Anbieter wählen, der selbst in Erneuerbare Energien investiert.

Akzeptanz von Windenergie

Zwei von drei Deutschen hätten nichts dagegen, wenn in der direkten Nähe ihres Wohnorts ein Windpark gebaut würde.
Datenquelle: Forsa

Was ist „guter“ Ökostrom?
Guter Ökostrom stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Und er bietet einen Zusatznutzen: Er stammt aus möglichst neu gebauten Anlagen, die ökologisch unbedenklich sind. Guter Ökostrom bringt so die Energiewende voran. Damit Sie erkennen können, ob Stromanbieter diese Kriterien erfüllen, gibt es verschiedene Gütesiegel. Die Frage „Was ist guter Ökostrom“ kann man also einfach beantworten mit: Guter Ökostrom kommt nicht nur aus erneuerbaren Energiequellen, sondern auch von Unternehmen, die aktiv daran arbeiten, die Ziele der Energiewende zu erfüllen und neue Maßstäbe zu setzen. Echter Ökostrom ist daher nur solcher, der auch seine Ausbauwirkung nutzt – ein Teil der Einnahmen aus Ökostrom wird in den Ausbau Erneuerbarer Energien investiert, um so den Anteil des Ökostroms am gesamten Strommix zu vergrößern.
Führend unter den Erneuerbaren Energien sind Windkraft (onshore), Biomasse und Photovoltaik. Jeder Verbraucher, der zu einem guten Ökostromanbieter wechselt, der in den Ausbau Erneuerbarer Energien investiert, trägt also aktiv zur Veränderung des Mischungsverhältnisses im Stromsee bei – der Stromsee wird immer grüner!

Was machen die Stadtwerke Willich (SWW)?
Grundsätzlich ist die aktuelle Stromlieferung der SWW mit einem Anteil von 45 Prozent Erneuerbarer Energien gegenüber der bundesweiten Stromerzeugung gut aufgestellt. Dieses wird jedoch von Kritikern auch mit den grundsätzlichen Differenzen zwischen Lieferung und Erzeugung begründet. Einige Kritiker weisen auch darauf hin, dass die Innogy SE zu 25,1 Prozent als Gesellschafter an den SWW beteiligt sind.
Umweltbewusste Kunden können bei den SWW das Produkt „Watergreen+“ zusätzlich zum Tarif „strom direkt“ erwerben. Somit wird durch Ankauf von HKN aus Wasserkraftwerken in Skandinavien der Anteil der Erneuerbaren Energien auf 100 Prozent erhöht.
Der Tarif Ökostrom „Watergreen+“ ist mit dem „OK-Power“-Siegel versehen und soll laut diesem sicherstellen, dass der mit dem Gütesiegel ausgestattete Strom „zu 100 % aus Erneuerbaren Energien stammt und nachweislich einen zusätzlichen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leistet.“ Das Siegel wird jedes Jahr neu vergeben und „signalisiert Verbrauchern, dass der zertifizierte Stromtarif garantiert zum Ausbau regenerativer Energien und zu ihrer Integration in das Stromversorgungssystem beiträgt.“
Verbraucher können den „Watergreen+“-Tarif über eine Zusatzvereinbarung zum derzeitigen Stadtwerke-Tarif beziehen. Der preisliche Zuschlag beträgt 0,50 Cent/kWh. Mit Blick auf den oben erwähnten Preis für Herkunftsnachweise (unter 0,20 Cent/kWh) ist dieser sicherlich mit einem deutlichen Sicherheitsaufschlag versehen.

CO2-Ausstoß in Deutschland

Der CO2-Ausstoß in Deutschland ist im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr um 4 Mio. Tonnen gestiegen statt gesunken.
Datenquelle: Umweltbundesamt

Kohleausstieg Willich
Aus diesem Grund haben die Willicher GRÜNEN eine Petiton gestartet, um den Ökostromtarif zum gleichen Preis wie den„Strom Direkt“-Tarif anzubieten. Darüber hinaus möchte die Stadt Willich nach ihrem eigenen Konzept der Global Nachhaltigen Kommune bis 2030 klimaneutral aufgestellt sein.
Wir – und zwei Drittel der NRW-Bürgerinnen und Bürger – möchten jedoch schon vorher aus der Braunkohle aussteigen. Das geht in Willich kostenneutral, klimafreundlich und ohne „Beimischung“ von konventionellem Strom. Beide konventionellen Energiegewinnungsformen – sowohl Kohle- als auch Atomstrom – gehören nicht in den Energiemix der Stadtwerke Willich, weil sie durch Erneuerbare Energien zu günstigen Einkaufspreisen wirtschaftlich überkompensiert werden können und dieses ökologisch sinnvoller ist. Das ist Verbraucherschutz auf breiter Ebene – ökologisch und ohne finanzielle Mehrbelastung.

Fazit

  • Achten Sie bei der Wahl Ihres Ökostromanbieters darauf, dass dieser einen Teil der Einnahmen aus Ökostrom in den Ausbau Erneuerbarer Energien investiert.
  • Egal für welchen Stromanbieter Sie sich entscheiden: Die sauberste sowie umweltfreundlichste Art und Weise ist natürlich das Stromsparen.
  • Unterzeichnen Sie jetzt unsere Petition für eine saubere Stadt Willich unter dem Link kohleausstieg-willich.de.

Alle ungekennzeichneten statistischen Angaben nach de.statista.com