GRÜNER BLICK – Ausgabe 5


Infoschrift der Willicher GRÜNEN
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Getränkeverpackungen – Was schont die Umwelt?

Paul
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Pfandautomat

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Beim Einkaufen verliert man vor lauter Pfandsystemen, Verpackungsmöglichkeiten und Gebinden (mit oder ohne Pfand) leicht den Überblick. Zudem ist es eine sehr komplexe Aufgabe, die einzelnen Getränkeverpackungen nach ihrem sogenannten ökologischen Fuß- abdruck zu ordnen.

Zur Identifizierung der umweltfreundlichsten Getränkeverpackung gilt es viele Faktoren zu berücksichtigen. Dazu zählen neben den Produktions- und Transportkosten insbesondere die Aufwendungen für Abfallsammlung, -verwertung und -entsorgung, die Recyclingquote sowie die Verschmutzung der Landschaft. Grundsätzlich stehen dem Verbraucher folgende Getränkeverpackungen (GVP) zur Auswahl:

  • Glas (Mehrweg, Einweg)
  • PET (MW, EW)
  • Dosen (EW)
  • Getränkekarton (EW)

PET-Flaschen können bis zu 25-mal wiederverwendet werden, Glasflaschen sogar bis zu 50-mal. Jedoch verschlechtert sich bei Glasflaschen die Ökobilanz aufgrund des Gewichts mit der Entfernung und den Transportkosten. Daher haben PET-Mehrwegflaschen eine leicht bessere Ökobilanz als Glas-Mehrwegflaschen. Leider haben Mehrwegverpackungen allgemein in den letzten 10 Jahren über 20 Prozent Marktanteil eingebüßt.

Den größten Marktanteil bei den GVP hat seit Einführung des Pflichtpfandes im Jahre 2003 die PET-Einwegflasche. Wegen der Pfandpflicht
hat sie eine hohe Recyclingquote. Ironischerweise war die ursprüngliche Idee damals aber, die Mehrwegquote zu erhöhen. Denn die Ökobilanz von Einweg ist
schlechter als die der Mehrwegverpackungen. Der Grund: Geschredderte PET-Flaschen können als Getränkeverpackung nur einmal verwendet werden. Der eingeschmolzene Rohstoff verfärbt sich und wird deshalb in der anschließeden Wiederverwertung in Branchen abseits der Lebensmittelindustrie eingesetzt (Quelle: Studie „Genossenschaft Deutscher Brunnen“). Damit ist deren Rohstoff- und Energieverbrauch im Vergleich erheblich höher. Darüber hinaus legen PET-Einwegflaschen fast doppelt so viele Transport-Kilometer zurück, da nur wenige Großabfüllstationen existieren. Eine PET-Einwegflasche verursacht somit etwa doppelt so viel klimaschädliches CO2 wie eine PET-Mehrwegflasche (Quelle: IFEU Institut). Getränkekartons sind laut einer Studie des Umweltbundesamtes umweltfreundlicher als andere Einwegverpackungen und daher von der Pfandpflicht befreit. Zur Herstellung wird Pappe benötigt. Das Grundmaterial stammt überwiegend aus skandinavischen Wäldern. Es entspricht laut Fachverband FKN (Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel) den Vorgaben des Forest Stewardship Council (FSC). Beim Recyclen werden daraus jedoch keine neuen Getränkeverpackungen hergestellt sondern hauptsächlich Wellpappen und Kartons.

Pfandautomat

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Glas-Einwegflaschen sind ökologisch schlechter als ihr Ruf. Trotz der hohen Sammelquote und der damit verbundenen Einsparung von Rohstoffen (Sand, Quarz) sind die Energie- und Transportkosten überdurchschnittlich hoch. Neben den Glas-Einwegflaschen sind auch Dosen im Gesamtvergleich wahre „Klimakiller“. Dosen sind aufgrund des energiereichen Herstellungsprozesses (Rohstoff: Bauxit) ca. 3-mal so klimaschädlich wie Mehrwegflaschen; Glas-Einwegflaschen bringen es sogar auf den Faktor 5 (Quelle: „die umweltberatung“). Nebenbei bemerkt: Durch das Pflichtpfand ist die Vermüllung der Landschaft zurückgegangen. Sinnvoll wäre es somit, alle EW-Getränkeverpackungen – unabhänigig vom Inhalt – einer Pfandpflicht zu unterwerfen. Ergänzend könnte das Pfandsystem vereinfacht und gleiches Pfand für alle Getränkeverpackungen eingeführt werden.

Eine hohe Recyclingquote ist grundsätzlich wünschenswert. Jedoch ist es in den Augen der GRÜNEN nachhaltiger, den zusätzlichen Müll erst gar nicht entstehen zu lassen. Je höher der Anteil an Mehrwegflaschen und -verpackungen ist, desto mehr Müll wird vermieden. Der positive Effekt für die Umwelt ist unbestritten.
Zum Thema Wasser-Getränkeverpackungen: Leitungswasser kann in vielen Fällen die bessere Alternative sein. Es ist eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel und muss höheren Anforderungen genügen als beispielsweise Mineralwasser (Quelle: Umweltbundesamt in einer Pressemitteilung aus 06/2015). Leitungswasser zu trinken anstatt Flaschen zu kaufen, lässt Müll erst gar nicht entstehen (siehe auch „Tipps für ein plastikfreies Leben“ zuvor). Neben der Umwelt schont es zudem den Geldbeutel.

Fazit: Trotz der anfänglichen Verwirrung ist es relativ einfach: Bevorzugen Sie Mehrwegsysteme – egal ob Glas oder PET. Weitere Verbesserungen in der Ökobilanz können Sie erzielen, wenn Sie regional abgefüllte Getränke kaufen. Und: versuchen Sie es doch mal mit Leitungswasser.