GRÜNER BLICK – Ausgabe 5


Infoschrift der Willicher GRÜNEN
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Abwasser – Kosten und Hintergründe

Raimund
Raimund
Kanalsanierung Virmondstraße

Kanalsanierung Virmondstraße

Die Entsorgung unserer Abwässer ist eine der kostenintensivsten Dienstleistungen der Stadt Willich für ihre Bürgerinnen und Bürger. Rund 12 Millionen Euro wurden im Jahr 2017 an Gebühren erhoben. Damit übersteigen diese die Einnahmen aus der Grundsteuer deutlich. Zusätzlich werden jedes Jahr mehrere Millionen Euro an privaten Investitionen in das Abwasserkanalnetz gesteckt. Was macht die Abwasserentsorgung so teuer? Wieso ist es so wichtig ein gut funktionierendes System zu haben? Welche Herausforderungen werden sich durch Klimawandel und Starkregenereignisse ergeben?

Die Anfänge der Entwässerung

Natürlich kann man bei dem Thema fast bei „Adam und Eva“ anfangen. Schließlich ist ein Abwasserkanalsystem seit jeher ein Zeichen für hohe Zivilisation – weshalb Köln und Trier seit rund 2000 Jahren eine Kanalisation haben. Ganz so alt sind die Abwasserkanäle in Willich natürlich nicht. Allerdings stammen einige aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und sind bald 100 Jahre alt. Daher müssen Abwasserkanäle kontinuierlich erneuert werden. Das ist vor allen in den Ortskernen mit erheblicher Beeinträchtigung des Verkehrs und der Straßennutzung verbunden.

Warum werden Kanalbau und Straßenbau zusammen durchgeführt?

Da bei einer Kanalerneuerung die Straßen meist über Monate aufgerissen und anschließend neu erstellt werden, wird seit Jahren versucht, Kanalbaumaßnahmen und Straßenerneuerungsmaßnahmen zu synchronisieren, also möglichst zeitgleich durchzuführen. Dafür muss die Stadt ein genaues Bild vom Zustand der öffentlichen Kanäle unter den Straßen haben. Mittels moderner Kameratechnik ist das heutzutage kein Problem mehr. Dennoch sind die Informationen über den Zustand der hunderte Kilometer Kanalnetz oft einige Jahre alt. Zudem verändert sich der Zustand eines Kanals manchmal innerhalb weniger Jahre erheblich, wenn beispielsweise Baumwurzeln die Kanalhülle zerstören. Aber natürlich sind Kanäle und Straßen nicht immer zeitgleich sanierungsbedürftig.
Somit sind bei der Entscheidungsfindung sowohl der Schadenszustand des Kanals als auch der Straße zu berücksichtigen. Durch die gleichzeitige Durchführung der Baumaßnahmen kann allerdings auch viel Geld gespart werden, weil man die Straßen nicht zweimal aufreißen muss. Oft kosten die Baumaßnahmen dennoch viele 100.000 Euro.

Wer zahlt die Baumaßnahmen?

Ein Teil der Ausgaben wird über den Haushalt der Stadt Willich gedeckt. Aber auch für die Anwohner ist das häufig nicht ganz billig, da sie über das Kommunalabgabengesetz (KAG) an den Kosten der Straßenbaumaßnahme beteiligt werden. So können schnell mal 10.000 Euro Kosten auf den Einzelnen zukommen. Glücklicherweise werden die Anwohner bei der Sanierung von Kanälen nicht finanziell beteiligt, sondern nur beim erstmaligen Bau. Die Sanierung wird über die Abwassergebühren von allen bezahlt.
Doch auch bei Kanalbaumaßnahmen kann es für Anwohner teuer werden. Denn der Teil des Kanals, der auf eigenem Grund und Boden liegt, muss von dem Eigentümer genauso instand gehalten werden, wie dies für den öffentlichen Kanal gilt. Hierbei trägt der Eigentümer die Kosten. Auch hier können schnell einige Tausend Euro zusammenkommen. Der Eigentümer hat auf Grund gesetzlicher Bestimmungen seinen Kanal selbst zu überwachen. Wie er das tut und ob es dafür sogenannter Revisionsschächte bedarf, sehen Politik und Verwaltung unterschiedlich.
Dass private Hausbesitzer deshalb gleich zwei Revisionsschächte (für Schmutzwasser- und Regenwasserkanal) bauen müssen, kann bezweifelt werden. Schließlich genügt auf Grund des heutigen Standes der Technik schon eine Öffnung in der Kanalleitung im Haus, um den Zustand des Kanals zu untersuchen. Um eine eindeutige und bürgerfreundliche Lösung werden wir uns weiterhin bemühen.

Wann ist ein Kanal sanierungsbedürftig?

Insgesamt gibt es fünf Kategorien, um den Zustand der Kanäle zu beschreiben; von 1 (Top-Zustand) bis hin zu 5 (schnellstmögliches Sanieren). Wir GRÜNEN setzen uns seit Jahren dafür ein, dass möglichst keine Abwasserkanäle der Kategorie 5 existieren. Denn dann kann das Abwasser, was durch Chemikalien (z.B. aus Reinigungsmitteln, Waschmitteln) belastet ist, ungehindert in den Boden gelangen und so das Grundwasser belasten. Langfristig besteht sogar die Gefahr, dass so Giftstoffe in unser Trinkwasser gelangen. Dies gilt es unter allen Umständen zu vermeiden.
Warum gibt es Regenwasserkanäle und wie ist es bei Starkregenereignissen?
Um eines klarzustellen: Bei Starkregenereignissen wie Ende Mai in Wuppertal (70 bis 100 Liter Regen in weniger als zwei Stunden) ist jedes normale Regenwassersystem überlastet. Aber oft verursachen schon kleinere Mengen Überflutungen einzelner Straßen. Durch ausreichend dimensionierte Regenwasserkanäle kann dies ebenso vermieden werden wie durch geeignete und ausreichend dimensionierte Versickerungsmöglichkeiten auf den eigenen Grundstücken. Wichtig ist dabei auch, dass die Versiegelung von Freiflächen so gering wie möglich gehalten wird. Eine moderne Stadtplanung hat so etwas nach unserer Überzeugung zu berücksichtigen. Dennoch sind unsere Stadtteile und Stadtgebiete nicht den gleichen Risiken ausgesetzt.

Fremdwassersanierungskonzept Anrath – wie gehts weiter?

Nach den Starkregenereignissen vor rund acht Jahren, die in Anrath für erhebliche Überflutungen sorgten, wurde die Verwaltung beauftragt Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Dabei wurde festgestellt, dass erhebliche Mengen an Fremdwasser – also kein Regenwasser – in die Regenwasserkanalisation gelangen. Außerdem ist die Kanalisation an vielen Stellen so sanierungsbedürftig, dass Grundwasser in diese eindringt. Beides verursacht Zusatzkosten bei der Abwasseraufbereitung durch den Niersverband, der die Kosten nach Wassermengen berechnet.
Außerdem wird die Kapazität der Kanäle durch das Fremdwasser reduziert. Dies kann bei einem größeren Gewitterschauer aber entscheidend sein. Um die Probleme zu beheben, wurde ein Fremdwassersanierungskonzept entwickelt, was allerdings im Stadtrat nach langer politischer Diskussion keine Mehrheit fand. Dennoch bleiben die Sanierung und Maßnahmen zur Reduzierung von Fremdwassereinleitungen für Anrath auch ohne Fremdwassersanierungskonzept auf der Tagesordnung. Hier setzen wir uns für eine nachhaltige und für die Anwohner kostengünstige Lösung z.B. durch Hinzuziehung von Fördergeldern weiter ein.