GRÜNER BLICK  – Ausgabe 10 (Spezial zur Landtagswahl 2022)

GRÜNER BLICK – Ausgabe 10 (Spezial zur Landtagswahl): Infoschrift der Willicher GRÜNEN
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Die BIO-Label-Lüge

Claudia Poetsch

Deutsches Bio-Siegel, EU-Biosiegel

Die Bio-Branche boomt. Allein im vergangenen Jahr ist der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln um 22 Prozent gestiegen. Eine Erfolgsgeschichte, die Begehrlichkeiten weckt. Und genau zu dem führt, was durch die Bio-Landwirtschaft doch eigentlich verhindert werden sollte: Massentierhaltung, Einsatz von Antibiotika, Hormongabe zur Brunstsynchronisation, Enthornung ohne Betäubung etc.

Buchtipp (Clemens G. Arvay)

Aktuelle Kontrollberichte zeigen, dass viele Bio-Landwirte sich demselben Prinzip unterwerfen wie konventionelle Landwirte: der Massenproduktion. Ein Prinzip, das Effizienz und Kostenreduktion über das Wohl von Tieren und Menschen stellt. Qualifizierte Kontrollen gibt es zu wenig und die verhängten Bußgelder sind so gering, dass sie eine Lenkungswirkung verfehlen.

Letztendlich ist es so, dass viele Bio-Bäuer:innen der angeblich so strengen Anbauverbände ihre Tiere immer noch bei Großschlachtbetrieben wie Tönnies schlachten lassen, einem Konzern, der wegen angeblicher ausbeuterischer Arbeitsbedingungen, Tierquälerei und rücksichtsloser Profitmaximierung in der Kritik steht. Für Bio-Tiere gelten nämlich fast dieselben Regeln beim Schlachten wie für konventionell gehaltene Tiere.

Über das, was in den Schlachtbetrieben wie Tönnies mit den Tieren aus der Biolandwirtschaft geschieht, findet sich in den Kontrollberichten der offiziell bestellten Prüfstellen nichts. Die Schlachterei ist eine Blackbox. Daher ist es umso wichtiger, dass solche landwirtschaftlichen Bio-Betriebe gestärkt werden, die ihre Tiere eben nicht auf lange Transportwege geben, um in Großschlachtbetrieben getötet und zerlegt zu werden. Massentierhaltung ist ganz offensichtlich auch in der Bio-Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung unvereinbar.

Um eine Trendwende, hin zu mehr Tierwohl in der Fleischerzeugung einzuleiten müssen vor allem die Kleinbetriebe zum Beispiel von unverhältnismäßig höheren Gebühren durch das Veterinäramt pro geschlachtetem Tier entlastet werden. Nur so ist eine Trendwende hin zu konsequent mehr Tierwohl in der Fleischerzeugung möglich. Wer mit gutem Gewissen Bio-Fleisch genießen will, muss sich sicher sein können, dass es möglichst tierwohlgerecht und regional erzeugt wurde. Nur auf Bio-Siegel zu achten ist zu wenig. Es kommt auch darauf an, sich selbst davon überzeugen zu können, wo das Fleisch herkommt.

(Infoquelle: DIE ZEIT Nr. 47 v. 18.11.2021)